PRESSE
Nachstehend ein Rückblick zum 1. Schwäbischen Whisky Tag am Samstag 2.10.2010 von Martin Theis:
s' Ländle brennt!
Am
Samstag 2. Oktober 2010 fand in der Tübinger Altstadt der erste
„Schwäbische Whiskytag“ statt. Die regionalen Destillateure
präsentierten im Rahmen des Tübinger Herbst-Regionalmarktes ihre
gebrannten Kostbarkeiten und kamen dabei mit den Besuchern ins Gespräch.
Die
Pavillons, Buden und Stände überziehen den Tübinger Marktplatz wie ein
bunter Flickenteppich, es riecht nach Dinnete und gegrillter Forelle.
Schon am frühen Morgen tummeln sich hunderte Menschen zwischen Auslagen
mit regionalen Spezialitäten und den Arbeiten einheimischer
Kunsthandwerker. Der Regionalmarkt hat Tradition. Doch dieses Mal gibt
es eine besondere Attraktion die Scharen von Besuchern zu einer Reihe
Pagoden vor dem Rathaus lockt: Der erste „Schwäbische Whiskytag“. Die
wenigen Sonnenstrahlen, die heute die Wolkendecke des Herbsthimmels
durchdringen, lassen zwölf schwäbische Whiskyvariationen bernsteinfarben
aufleuchten. Vor dem Probiertisch wird geschwenkt, geschnuppert und
genippt. Hin und wieder bleiben Passanten, die nur zufällig
vorbeikommen, verwundert stehen. Schwäbischer Whisky? Ist das nicht ein
Widerspruch in sich? Gerade dieser erste Moment der Verwunderung ist es,
der viele Menschen dazu bewegt näher zu treten und einmal genauer
nachzufragen.
Mittlerweile gibt es zehn Brennereien in der
näheren Umgebung von Tübingen, so viele wie nirgendwo sonst in
Deutschland. Whisky hat sich zu einer echten schwäbischen Spezialität
entwickelt, deren Nachfrage stetig steigt. Das mag auch daran liegen,
dass sich die Destillateure viel Zeit bei der Entwicklung ihres
jeweiligen Produktes gelassen haben. Es dauert Jahre des
Experimentierens und Abschmeckens, bis man herausgefunden hat wie durch
Lagerung in unterschiedlichen Fässern eine einzigartige Geschmacksnote
kreiert werden kann. Im Gespräch mit den Destillateuren wird selbst dem
Laien schnell klar: Whiskybrennen, das ist eine Kunst für sich.
„Wir
Schwaben stehen den Schotten in nichts nach“, erklärt Destillateur
Hans-Gerhard Fink einer Besucherin, „wir sind mindestens genauso sparsam
und keltische Wurzeln haben wir ebenfalls“. So gesehen verwundert es
kaum, dass sich die Schwaben nun auch in Sachen Whisky einen Namen
machen. Eine Entwicklung, die dem hochgewachsenen Mann mit der
Schafsfellweste sichtlich Freude bereitet. „Das Brennen von Whisky ist
meine große Leidenschaft geworden. Auch weil ich als Landwirt die
Möglichkeit bekomme, mein eigenes Getreide zu veredeln.“ Doch wie seine
Kollegen hat auch Hans-Gerhard Fink schon lange vor seinem ersten
Whiskyjahrgang Erfahrung als Brenner gesammelt und hochwertige
Obstbrände hergestellt. Mit Erfolg: Auf der internationalen
Spirituosenmeisterschaft 'Destillata', rangiert er seit Jahren unter den
Top 10. Dies spiegelt den Ehrgeiz wider, mit dem Fink sich auch dem
Whisky zuwendet. Auf der Nellinger Alb bewirtschaftet er 400 Hektar
Ackerland. Dort gedeihen Dinkel, Weizen und Gerste, von denen ein Teil
schließlich den Weg ins Eichenfass findet. „Mein Ziel ist es, unsere
Kultur und Landschaft im Whisky abzubilden“, erklärt Fink. „Daher
dominiert der filigrane Getreidecharakter. Barrique-Fässer aus dem
Weinbau verfeinern den Geschmack mit einer leichten Wein- und
Fruchtnote“. Die Feuerprobe bestand Finks Whisky übrigens, als im
Landgasthof seiner Frau einmal Schotten gastierten. Die waren begeistert
von der schwäbischen Version ihres Nationalgetränks und erteilten dem
Brenner die Erlaubnis, sein Erzeugnis 'Highland-Whisky' zu nennen. Fink
lacht: „Highland ist so gesehen ja richtig. Immerhin brenne ich 800
Meter über dem Meeresspiegel.“
Da Brennrechte ebenso vererbbar
sind wie die Liebe zur Sache, sind viele der Brennereien
Familienbetriebe in dritter Generation. So schaute Volker Theurer aus
Tübingen-Unterjesingen schon als kleiner Junge seinem Großvater zu, wenn
der Obstbrände herstellte. Was Whisky angeht, ist Theurer mit rund 20
Jahren Erfahrung einer der alten Hasen im Geschäft. Dabei wurde die
Grundidee aus der Not geboren: „Es gab mal ein besonders obstarmes Jahr,
in dem habe ich Getreide destilliert“, erinnert er sich. „Aber erst als
eine Westernkneipe einige Zeit später Whisky anfragte, fiel mir auf,
dass ich etwas ähnliches ja im Keller habe. Von da an hat mich die
Experimentierlust gepackt.“ Das Experiment ist offenbar geglückt, wenn
man dem Ehepaar am Nebentisch glauben darf. Thomas und Simone Bussel
wurden nämlich über eine Kostprobe von Theurers 'Ammertal-Whisky' auf
die schwäbischen Brenner aufmerksam. Seitdem sind sie treue Fans: „Wir
haben damals auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt ein ganz kleines
Fläschchen zum Probieren gekauft“, sagt Thomas Bussel, „und dann sehr
bald mehr davon“. Seine Frau lacht: „Daran bin ich schuld. Ich habe mir
auf einer Venedig-Reise mal einen Scotch bestellt und ihn probieren
lassen. Seitdem erweitert sich unsere Whisky-Kollektion stetig. Er mag
es weicher, ich torfig, aber auf den ein oder anderen schwäbischen
können wir uns gut einigen.“
Der erste Schwabe, der Whisky
hergestellt hat, war Christian Gruel aus Owen/Teck. Die Idee kam ihm
bereits in den siebziger Jahren auf einem Whisky-Trail durch Schottland.
Heute repräsentiert sein Enkel Immanuel bereits die vierte Generation
der Brennerfamilie. Es dauerte eine ganze Weile, bis Christian Gruel
sein Vorhaben in die Tat umsetzten konnte. Nichtmal die eigene Familie
glaubte daran, dass sich ein regionaler Whisky verkaufen ließe. Sein
Enkel erinnert sich: „Als er 1991 den ersten Whiskyjahrgang auf dem
Stadtfest in Owen vorstellte, haben die Leute gedacht er sei ein
Spinner“. Im Nachhinein betrachtet war Christian Gruel wohl eher ein
Visionär. Heute umfasst der Betrieb der Familie Gruel drei Brennereien
und der 'Tecker'-Whisky aus ökologisch angebautem Getreide ist dabei das
Hauptprodukt.
Uwe Seidel nippt an einem zehn Jahre alten
'Tecker', der insgesamt sechs Fässer durchlaufen hat. Seidel ist mit
seiner Frau aus Heilbronn angereist, vom schwäbischen Whiskytag hat er
aus der Zeitung erfahren. Er bringt auf den Punkt, was viele Besucher
sagen: „Ich trinke vielleicht nicht oft Whisky, aber wenn, dann muss es
ein guter sein. Insofern war das hier super. Nächstes Jahr komme ich
glatt wieder!“. In diesem Sinne: Cheers! ..............von Martin Theis
Weitere Brennerstimmen vom Schwäbischen Whisky Tag am 2. Oktober 2010:
Andreas Bosch, Bosch Edelbrand (Lenningen):
Andreas
Bosch schaute schon als kleiner Junge zu, wie sein Großvater Johannes
Renz Obst destillierte. Mit seinem schwäbischem Whisky schreibt Bosch
nun die Familiengeschichte fort. Und der Tradition, der er sich dabei
verpflichtet fühlt, setzte er ein Denkmal:
„Zum 100-jährigen
Geburtstag meines Großvaters, habe ich dessen Initialen auf das Logo
meines Whiskys drucken lassen. Charakteristisch für meinen 'schwäbischen
Whisky vom Alb-Dinkel' ist das bodenständige Dinkelaroma. Dezent
abgerundet durch Vanilletöne entsteht ein mild-fruchtiger Geschmack. All
unser Getreide gedeiht im Lenninger Tal, im Umkreis von zehn
Kilometern.“
Thomas Dannemann, Bellerhof (Owen/Teck):
Die
Idee Whisky auf dem Bellerhof zu brennen wurde vor rund 20 Jahren von
August Beller geboren. Der war damals in Schottland unterwegs und dachte
sich: „Was die können, können wir auch!“. Er sollte recht behalten.
Mittlerweile betreibt Thomas Dannemann die Brennerei, er ist der Mann
von Bellers Enkeltochter. Dannemann verfeinerte den bernsteinfarbenen
Getreidebrand über die Jahre und wurde sogar in Jim Murrays Whisky-Bibel
aufgenommen. Bewertung: Sehr gut bis exzellent.
„Unser Whisky
ist vollmundig und kräftig, er hat einen langen Abgang und man merkt
definitiv, dass Power dahinter steckt. Koi Läpperleswasser! Abgerundet
wird der Genuss durch ein feines Vanille- und Karamellaroma. Erst nach
vollen acht Jahren Reifezeit in Eiche-, Weißeiche-, Bourbon- und
Sherryfässern ist 'Danne's Schwäbischer Whisky' genau so, wie wir ihn
haben wollen.“